Der Business Plan: Wofür man ihn wirklich braucht

Der Business Plan: Wofür man ihn wirklich braucht

Einen Business Plan zu schreiben kostet viel Zeit und Mühe und man wird mit Themen konfrontiert, die für Life Science-Wissenschaftler vollkommen neu sind. Wofür man das eigentlich macht und wie viele Varianten man eigentlich braucht, haben wir im zweiten Teil der Serie über den Business Plan zusammengestellt.

Der Business Plan für Investoren

Klar, man denkt als erstes an Investoren, wenn das Wort „Business Plan“ fällt. Investoren schauen sich anhand des Business Plans an, ob eine Finanzierung überhaupt in Frage kommt. Sie prüfen dabei Kriterien wie z.B. die Technologiereife, die Expertise des Managements, die Markt- und Wettbewerbsanalyse und natürlich die Finanzdaten. Die Finanzdaten müssen für den Investor nicht nur plausibel sein, sondern auch attraktiv. Ein VC-Investor möchte zudem sehen, dass das Geschäftsmodell skalierbar ist.

Der Business Plan für die Gründer

Ja, auch für sich selbst schreibt man einen Business Plan. Das schützt davor, sich allzu verliebt ins Geschehen zu stürzen. Während man einen Business Plan schreibt, setzt man sich intensiv mit seinem Vorhaben auseinander und durchdenkt und analysiert es. Außerdem macht man sich Gedanken über den Markt und die Wettbewerber und hoffentlich auch über die zukünftigen Kunden. Man kann dann erkennen, inwieweit alles plausibel, umsetzbar und zukunftsfähig ist oder was dafür evtl. noch fehlt.

Der Business Plan für Kooperationspartner

Sucht das Unternehmen Partner, wird ähnlich wie bei einer Investitionsanfrage oft ein Business Plan benötigt. Der potentielle Kooperationspartner möchte sehen, dass er es mit einem solide geplanten Unternehmen zu tun hat. Neu gegründete Unternehmen -vor allem im Biotech-Bereich- können noch nicht mit aussagekräftigen Kennzahlen aufwarten. Hier erfüllt der Business Plan diesen Zweck.

Und dann waren da noch: Business Plan Wettbewerbe

Es kann sich durchaus lohnen, an Business Plan Wettbewerben wie z.B. dem von Science4Life e.V. teilzunehmen. Einerseits winken oft attraktive Geld- oder Sachpreise und andererseits lernt man durch die Teilnahme sehr viel und eine Platzierung verbessert das Ansehen des Gründungsvorhabens bzw. des StartUps. Viele Wettbewerbe bieten ein gleichzeitiges Betreuungsprogramm an, währenddessen einzelne Teile des Business Plans behandelt werden und den Gründern helfen soll, ihren Business Plan weiter zu verbessern. Ebenso wertvoll sind die Feedbacks der Gutachter, die man bei einigen Wettbewerben bekommt. Sie zeigen, wo evtl. noch Schwächen sind bzw. was noch unverständlich ist – alles Ansatzpunkte für weitere Verbesserungen.

Für die Teilnahme an einem Business Plan Wettbewerb eignet sich ein Business Plan wie er für einen neutralen Investor geschrieben wurde. Besondere Kriterien in den Auschreibungsunterlagen sollte man natürlich berücksichtigen.

Ein Unternehmen – 3 Business Pläne?

Es ist empfehlenswert, den Business Plan immer dem Empfänger entsprechend anzupassen. Ein Investor legt Wert auf andere Schwerpunkte als ein Kooperationspartner und für sich selbst sollte man eine Version mit allen Details haben, die man vielleicht nicht so gern herausgeben möchte. Es kann auch durchaus sinnvoll sein, für verschiedene Investoren unterschiedliche Business Pläne zu haben, wenn diese auf unterschiedliche Dinge Wert legen. Das heißt natürlich nicht, dass man den Inhalt verändern sollte oder Fakten verschweigen soll, es geht vielmehr um eine passgenaue Ansprache.

Staub auf dem Business Plan

Ein Business Plan ist ein lebendiges Dokument, das immer wieder aktualisiert werden sollte. Denn nur dann kann es die Planungs- und Steuerungsfunktion übernehmen, die es hat. Das ist nicht leicht, denn ein Business Plan altert teilweise blitzschnell. Nachvollziehbar, immerhin geht man gerade bei der Finanzplanung von vielen Annahmen aus, die für die Zukunft gelten könnten. Stellt sich heraus, dass alles anders ist, ist auch der Business Plan überholt und ein aktueller muss her. Ein Business Plan ist auch sehr schnell veraltet, wenn man nach den ersten Kundengesprächen feststellt, dass das Geschäftsmodell nicht funktionieren wird, da der Kunde es so nicht akzeptiert. Dann sollte das Geschäftsmodell schleunigst angepasst werden und der Business Plan aktualisiert werden.

Passiert ist etwas Ähnliches der 1984 gegründeten Diagen Institut für Molekulare Diagnostik GmbH, die ihr Verfahren zur Aufreinigung von Nukleinsäuren zuerst nicht als vordergründiges Produkt sah, sondern wie der Name des Unternehmens zeigt, Diagnostik-Dienstleistungen anbieten wollte. 1984 war für die diese Art Dienstleistung noch zu früh und man änderte den Plan und entwickelte und verkaufte DNA-Aufreinigungs-Kits, die heute aus keinem Labor mehr wegzudenken sind. Die Rede ist hier von Qiagen, einem der erfolgreichsten Biotechnologieunternehmen. Auch wenn die Gründer damals von ihrem ursprünglichen Plan abgerückt sind, wurde das Unternehmen sehr erfolgreich und das ursprüngliche Ziel seit 2007 mit der Übernahme der Digene Corp. und dem damit verbundenen Eintritt in den Diagnostik-Markt trotzdem erreicht.

Fazit

Ein Business Plan ist wichtig als Planungstool und um potentielle Geldgeber zu überzeugen. Man sollte aber nicht daran kleben und die Augen vor der Realität verschließen.

Image by stockimages / freedigitalphotos.net

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Biochemikerin, Business Coach, Gründungscoach und vieles mehr. Bietet mit KBK Concept Coaching & Consulting für Gründer und Ideen- und Innovations-Workshops für alle aus der Life Science-Branche. Bloggt auf Biotechster und IdeenTuner. Große Leidenschaft: Neue Ideen und ihre Verwirklichung.

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